Credit Suisse will Bankkonto von Ai-Weiwei-Stiftung schliessen

Zürich (awp/awp/sda/reu) - Die Credit Suisse hat nach Angaben des chinesischen Dissidenten und Künstlers Ai Weiwei angekündigt, das Bankkonto seiner Stiftung in der Schweiz zu schliessen. Die Grossbank habe ihm das im Frühjahr mitgeteilt.

Dies schrieb Ai, einer der bekanntesten Künstler und politischen Aktivisten Chinas, in einem Meinungsbeitrag für die Website Artnet. "Sie (die Credit Suisse) tat dies, wie sie schrieb, in Übereinstimmung mit einer neuen Politik, alle Konten von Personen zu schliessen, die einen Strafregistereintrag haben", erklärte Ai, der der heute in Portugal lebt.

Der Künstler war an der Gestaltung des bekannten Vogelnest-Stadions der Olympischen Spiele 2008 in Peking beteiligt, bevor er in Konflikt mit der kommunistischen Regierung geriet, die ihn 2011 für 81 Tage inhaftierte. Ai zufolge wurde er nie formell angeklagt oder wegen eines Verbrechens verurteilt.

Ai erklärte weiter, die Credit Suisse habe ihn am 24. Juni angerufen, um ihm mitzuteilen, dass das Konto, das zu einer von ihm 2016 gegründeten Stiftung für freie Meinungsäusserung und Kunst gehörte, "so bald wie möglich" geschlossen werde. Als Grund dafür sei ein Schweiz-kritisches Interview in einer Zeitung genannt worden.

CS: Kein Kommentar

Die Credit Suisse lehnte eine Stellungnahme ab und erklärte, sie äussere sich nicht zu Kundenbeziehungen. Ai reagierte nicht auf Anfragen, ob das Bankkonto nun geschlossen wurde.

Für viele westliche Grossbanken, darunter auch die Credit Suisse, hat die Rekrutierung von sehr reichen Kunden aus China hohe Priorität. Das führt zuweilen zu Problemen, wenn sie versuchen, in der Gunst der chinesischen Regierung zu bleiben.

Einem Reuters-Bericht zufolge überprüften etwa vergangenes Jahr zahlreiche Banken ihre Kunden in Hongkong auf Verbindungen zur Demokratiebewegung. Wie andere Vermögensverwalter auch setzt die Credit Suisse Kunstsponsoring als Verkaufsargument bei der sammelfreudigen reichen Kundschaft ein und tritt als Mäzen zahlreicher Museen in der Schweiz und international auf.