Berner Oberländer wollen kaum mitzahlen: Kanton soll Geld locker machen

Bern (awp/sda) - Der Kanton Bern hat mit den Miteigentümern der Schynige Platten-Bahn nochmals über eine angemessene Beteiligung an den Sanierungskosten verhandelt. Das Ergebnis ist mager. Dennoch soll der Grosse Rat nun Geld locker machen.

Die vorberatende Grossratskommission empfiehlt dem Parlament, einem Kredit von rund 14 Millionen. Franken für die Sanierung der Gleise und der Bahnwerkstätte in Wilderswil zähneknirschend zuzustimmen.

Die Kommission macht auf die schwierige Situation der Bergbahnen wegen der Coronakrise aufmerksam und hebt die touristische Bedeutung der Schynigen Platte-Bahn hervor. Sie sei vom Ergebnis der Nachverhandlungen enttäuscht, hält die Kommission allerdings in einer Mitteilung auch fest.

Zurück an den Absender

Im März hatte das Berner Kantonsparlament einen Kredit für die Sanierung der Gleisanlagen und der Werkstätte in Wilderswil zurückgewiesen mit der Auflage, dass die Regierung mit den übrigen Miteigentümern der Ausflugsbahn über eine angemessene finanzielle Beteiligung verhandeln soll.

Allen voran die Grünliberalen störten sich daran, dass der Kanton für die gesamten Sanierungskosten aufkommen soll. Die übrigen Miteigentümer der Berner Oberland-Bahnen, zu denen die historische Ausflugsbahn auf die Schynige Platte gehört, beteiligten sich nicht an den Kosten.

Der Kanton Bern "schwimmt nicht im Geld" betonte Kasimir von Arx (GLP). Es wäre angemessen, wenn beispielsweise auch andere Miteigentümer wie die hochrentablen Jungfraubahnen im Umfang ihrer Beteiligung an die Sanierung zahlten. Nebst Bund, Kanton Bern und den Jungfraubahnen gehört auch noch das Unternehmen Rolly Fly zu den Aktionären.

Der Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP) warnte seinerzeit vor einer Rückweisung, die ja in erster Linie auf den Jungfraubahn-Konzern abziele. Diese hielten allerdings lediglich acht Prozent der Aktien, betonte Neuhaus. Ausserdem hätten die Jungfraubahnen gerade sehr viel in die neue V-Bahn in Grindelwald investiert, was nun entsprechend auf die Reserven drücke.

Enttäuschung bei der Kommission

Nach der Rückweisung des Geschäfts versprach Neuhaus, noch einmal zu verhandeln. Das Resultat: Die Firstbahn AG als Konzerngesellschaft der Jungfraubahn Holding AG hat sich bereit erklärt, einen Beitrag von 100'000 Franken zu leisten.

Der Beitrag von 100'000 Franken scheint der vorberatenden Grossratskommission gemäss Mitteilung vom Dienstag nicht angemessen und sie ist enttäuscht, dass die finanzielle Beteiligung der anderen Eigentümer nicht höher ausgefallen ist.

Der Beitrag der öffentlichen Hand beläuft sich insgesamt auf 13,9 Millionen Franken. Gut 840'000 Franken steuert die Denkmalpflege bei. Die bernischen Gemeinden beteiligen sich gemäss Finanz- und Lastenverteiler sowie aufgrund der ÖV-Gesetzgebung mit 4,3 Millionen Franken.

Nun liegt der Ball erneut beim Grossen Rat, der in der Herbstsession über das Geschäft befinden wird.